Hormone und Frauen

Diesen newsletter von Heike Fischer, einer pflanzenheilkundigen Freiburger Frauenärztin, erhalte und lese ich immer sehr erfreut.

Diesmal ist die Information derart grundsätzlich, dass ich sie hier weiterleiten möchte. Informiert eure Freundinnen und Mütter:

In meinem Frauenpflanzentipp zum Herbstanfang 2017 wollte ich mich in diesen goldenen Septembertagen mit einer neuen spannenden Heilpflanze beschäftigen. Da kam mir die Pressemitteilung dazwischen, es habe jetzt endgütig Entwarnung gegeben bezüglich einer Hormontherapie in den Wechseljahren. Der Präsident der Deutschen Menopause-Gesellschaft jubelt in Spiegel-online: „Hormonersatztherapie sicher rehabilitiert“. Damit wird suggeriert, dass Frauen nun wieder unbesorgt Hormone nehmen können.

Was ist passiert?

Eine aktuell veröffentlichte Nachauswertung der großen WHI-Studie zur kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie habe ergeben, dass es keinen Unterschied der Gesamtsterblichkeit der Frauen gebe, ob sie nun während der Dauer der Studie Hormone oder ein Scheinmedikament (Plazebo) genommen haben. (Mehr als 27000 Frauen hatten an der Studie teilgenommen, die 2002 wegen doppelt so vieler Thromboembolien, 29 % mehr Herzinfarkten, 41 % mehr Schlaganfällen, 26 % mehr Brustkrebserkrankungen abgebrochen worden war. Fast alle Teilnehmerinnen hatten daraufhin die Einnahme beendet. Jetzt wurde untersucht, wie es ihnen in den 12,5 Jahren danach ergangen war).

Was ist nun der Sinn dieser neuen Pressekampagne?

Der Sinn liegt darin, einen neuen Versuch zu starten, einen von vielen seit 2002, den Frauen eine Hormontherapie schmackhaft zu machen, diesmal mit einer Neuigkeit, die keine ist. Denn zu den Ergebnissen von 2002 gehörte bereits, dass Frauen, die Hormone nehmen, keine Verkürzung ihres Lebens befürchten müssen, aber eben auch keine Verlängerung erreichen. Dafür gehen sie erhebliche Risiken für ihr jetziges Leben ein. Diese Studie hat das Versprechen der Hormontherapie von Gesundheit, Schönheit, verbesserter Lebensqualität und einem langen Leben den Boden entzogen. Dies gilt nach wie vor.

Die Gesamtsterblichkeit ist ein untaugliches Kriterium, die Risiken eines Medikamentes einzuschätzen. Die Gefahr vermehrter Brustkrebserkrankungen unter Hormontherapie bleibt unbestritten und auch die Brustkrebssterblichkeit nimmt zu.

Die WHI-Studie hat versucht, Schaden und Nutzen der Hormontherapie zu bilanzieren und nachgewiesen, dass selbst 3 Jahre nach Abbruch der Studie und nachdem 96% der Frauen die Einnahme beendet hatten, der Schaden überwiegt. Von einer Entwarnung kann also nicht die Rede sein.

Starke Wechseljahresbeschwerden, die ohnehin nur 30 % der Frauen betreffen, sind lästig und können in 90 % aller Fälle mit Traubensilberkerze, Rotklee, Rhapontikrhabarber, Hopfen, Salbei und vielen anderen wirksamen Heilpflanzen gelindert werden, wie ich in meinem neuesten Buch „ab 40 – Gesund und munter durch hormonelle Turbulenzen“ dargelegt habe. Hitzewallungen gehen vorüber. Eine Hormontherapie bleibt weiterhin mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Erkrankungen verbunden.

Deshalb: Nur dann wenn Frauen unter einer wechseljahresbedingten starken Einschränkung ihrer Lebensqualität leiden, die nicht mit Naturheilmitteln verbessert werden kann, mögen Hormone so kurz wie möglich, niedrig und individuell dosiert, bioidentisch und über die Haut angewendet werden.

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